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www.ChristianReder.net: Publikationen: Positive Negationen
 

Positive Negationen

in: Andrea Figl, Brendan Kronheim & Hedwig Vormittag: Sorry, we don't cater people in a hurry. Kaffeehäuser als Lebensräume. Katalog. T.A.S.C., Wien 1999

Vorwort

 

 

 

 

Die Anzahl der Möglichkeiten vermehren, heißt, kybernetisch gedacht, sich als Beobachter, als Beobachterin, ins System zu begeben und dabei eigene Ziele zu verfolgen. Rein rechnerisch multiplizieren sich dadurch die Varianten. Es wird aber etwas anderes aus ihnen, weil die beteiligten Systeme auf sich selbst bezogen reagieren. Was von außen gesehen plausibel erscheint, transformiert sich.

Bei der Beurteilung solcher Ziele pendeln die Begriffe zwischen positiven und negativen Werten: gut - schlecht, schön - häßlich, wahr - unwahr, richtig - falsch, mächtig - ohnmächtig, bedeutend - unbedeutend, reich - arm, wirkungsvoll - wirkungslos. Im vorliegenden Projekt sind die Akteure von Negationen ausgegangen und damit recht erfolgreich gewesen. Was sie behauptet haben war unwahr, war falsch; zumindest in manchen Punkten. Was sie gezeigt haben war häßlich; zumindest nach konventionellen Vorstellungen. Worauf sie hingewiesen haben ist als schlecht, als problematisch eingestuft worden. Mit konkreten Beispielen haben sie erreicht, daß das Zerstörungspotential stereotyper ökonomischer Standards besprochen worden ist. Manche Medien - noch dazu eher gute - waren verärgert, weil sie plötzlich Unwahres geglaubt haben. Dafür haben sich die anderen, die immer recht haben, gefreut. Der öffentliche Raum ist für kurze Zeit das geworden, was er sein könnte, ein Netz von Punkten, von denen Aufmerksamkeit ausgeht.

Falsches hat sich als richtig herausgestellt. Nicht-Kommerzielles hat sich als kommerziell nützlich erwiesen, gerade weil demonstriert wurde, wie subtile Aktionen jeden aufwendigen Professionalismus lächerlich machen können. Vom Schlagwort 'Privatinitiative' sind jene Nuancen betont worden, die öffentliche Interessen berühren. Aus der Anonymität heraus wurde dazu beigetragen, daß Konturen sichtbar werden, Konturen des aufgegriffenen Problems und der Bereitschaft vieler, an einer solchen Arbeit mitzuwirken.

 

 
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© Christian Reder 1999/2002